Ein in Bayern wohl einmaliges privates Friseur-Museum habe ich neben meinem Salon eingerichtet. Einige tausend Sammelstücke zeugen von der Geschichte der Bader, Barbiere, Friseure und Perückenmacher, die vom Mittelalter bis nach dem Krieg nicht nur Haare schnitten, sondern im Friseursalon auch chirurgische Behandlungen vornahmen.

Wenn es früher in Günzburg hieß, "der Zahn muß raus", ging man zum "Bader Stötter". Serafin Stötter, nach dem in Günzburg eine Straße benannt ist, war bekannt für sein chirurgisches Geschick, er praktizierte in seinem Friseursalon gegenüber der Günzburger Spitalkirche. Noch in den 30er Jahren konnte man in der Günzburger-Zeitung folgendes Inserat lesen:
"Georg Hägele - Approbierter Bader in der Leipheimer Rathausgasse - Zahnziehen, Schröpfen, Aderlaß und Verbände, Behandlung eingewachsener Nägel und Hühneraugen, Seifen, Öle, Parfüme, Dauer- und Wasserwellen, Behandlung sämtlicher Krankenkassenmitglieder".

Die früheren Friseure waren Figaro und Bader, Perückenmacher, Barbier und Zahnarzt zugleich.

Seit dem 14.Jahrhundert bildeten die Bader, auch sogenannt weil sie meist eine Badestube betrieben, eine Zunft. Sie waren die "Chirurgen" der ersten Stunde, denn "Chirurgie" heißt ja in wörtlicher Übersetzung "Handwerk". Bis weit in unser Jahrhundert hinein war der Bader zugleich Barbier, Wundarzt, Hühneraugenschneider oder Masseur und betrieb die sogenannte "kleine Chirurgie". Außer dem Aderlassen, dem Zahnziehen, dem Schröpfen und Klystieren behandelte er Verletzungen, Stich-, Hieb- und Schußwunden, Brüche, Verrenkungen, Hautleiden und Geschwüre.

Wer mehr über Bader und Barbiere erfahren will, der kann dies nach telefonischer Voranmeldung unter 08221 - 7853 tun.

Sie können bei mir nicht nur Röhrenhauben, die aussehen wie Ritterrüstungen, oder Wickler, die zum "Kochen der Dauerwelle" auf ca. einhundert Grad erhitzt wurden, sondern auch den ersten elektrischen Rasierapparat der Welt bestaunen. Dabei erkläre ich Ihnen auch was es mit den "Lausfallen" auf sich hatte, oder wie man jemanden "über den Löffel balbiert". Hatte nämlich der Bader früher seinem Patienten die Zähne gezogen, dann steckte er beim nächsten Besuch seinem Friseurkunden einen Esslöffel in den zahnlosen Mund, damit er ihn über die so nach außen gedrückte, gewölbte Backe besser rasieren konnte.